Auspacken & ausziehen – erst Platine von unten, dann Platine von innen und Schaltkreise erkennen. Die Vorstufe wird ausgemessen: Frequenzgänge Vorstufe, Maximalpegel Clean und Overdrive. Zwei lineare / dumme Potis. Nun die Endstufe – ein spezielles Messkabel, HF-Artefakte in der Endstufe, Softclip vor der Endstufe, Hardclip im Solo-Boost und auch hier ein dummes lineares Potentiometer.
Der „Spirit AmpMan classic“ von Hughes & Kettner
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Im Folgenden die Beschreibung von Untersuchung des neu gekauften Pedalboard-Verstärkers „Hughes & Kettner AmpMan classic“ – mit Messungen wie auch mit Ansichten des geöffneten Gerätes.
Innenansichten
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Die hauptsächliche Arbeit bei der Untersuchung des Gerätes bestand in Messungen. Vor und zwischen diesen Messungen wurde das Gerät natürlich auch geöffnet und begutachtet.
Real zu sehen
Beim ersten Öffnen beschränkte sich der Autor auf das Entfernen der Rückwand und die Begutachtung der Platinenrückseite – siehe die folgende Abb. 1.1:

Abb. 1.1: Unterseite der Platine des Hughes & Kettner „AmpMan classic“; mit Bezeichnung der Anschlüsse an der oberen Rückseite (oben), der Regler (Label auf der Platine) und der Fußschalter (im Bild unten).
Der Vollständigkeit und besseren Orientierung wegen wurden noch die Bezeichnungen von Schaltern, Potentiometern und Anschlüssen auf das Foto geschrieben. Insgesamt sind alle von außen zugänglichen Bedienelemente auf der Platine gut zu erkennen – Potentiometer, Fußschalter, Buchsen, Schalter und die LEDs.
Die unterschiedliche Anzahl der Anschlüsse an den verschiedenen Potentiometern gab zunächst Rätsel auf. Ein einfaches oder „Mono“-Potentiometer hat normalerweise drei Anschlüsse – ob es sich hier bei dem vierten Anschluss um einen Masse-Kontakt, eine Verbindung zur Mitte der Potentiometerbahn oder einfach um einen Dummy-Anschluss handelt, konnte hier (ohne Kenntnis der Schaltung) erst nach Durchmessen eines Potentiometers festgestellt werden – der vierte Pin ist tatsächlich nur ein Dummy-Anschluss und läuft ins Leere.
Wenn das Potentiometer sechs Anschlüsse hat, kann man jedoch relativ eindeutig von einem doppelten, Tandem- bzw. „Stereo“-Potentiometer ausgehen.
Die folgende Tabelle 1.1 listet die einzelnen Potentiometer (an der Oberseite des Gerätes) auf und versucht, Gründe für die Verwendung von Tandem-Potentiometer zu finden:
| Regler | R | Pins | Funktion |
|---|---|---|---|
| Gain | 50 kΩ linear, Tandem | 6 | zweistufiger Gainregler? |
| Tone | 50 kΩ linear, Tandem | 6 | zwei Klangregler Pre-Gain vs. Post-Gain? |
| Resonance | 20 kΩ linear | 4 | interne Endstufen-GK Bässe? |
| Presence | 20 kΩ linear | 4 | interne Endstufen-GK Höhen? |
| Sagging | 50 kΩ log., Tandem | 6 | doppelter gegenläufiger Pegelregler? |
| Volume | 20 kΩ linear | 4 | Pegelregler |
| Boost | 20 kΩ linear | 4 | Pegelregler über 6 dB |
| Master | 20 kΩ linear | 4 | Pegelregler |
Die Werte der Potentiometer wurden allerdings erst nach dem vollständigen Öffnen des Gerätes ausgelesen.
Ansonsten erkennt man in Abb. 1.1 auf der Unterseite der Platine noch den (liegend montierten) Hauptelko (Mitte rechts, der Kabelbinder), die beiden Koppelkondensatoren für den XLR-Ausgang (zwei Kreise mit einem mittigen Minuszeichen in der Nähe der XLR-Buchse) und den 20-polige Kontaktreihe des „Spirit Tone Generator“-Schaltkreises (Mitte unten, unter dem Barcode-Aufkleber) sowie weitere Elkos und etwa 40 rechteckige Bauelemente – vermutlich Folienkondensatoren. Das lässt vermuten, dass die gesamte weitere Schaltung (eben mit Ausnahme der die verschiedenen Verstärkermodelle und deren verschiedenen Kanäle prägenden Folienkondensatoren) in SMD ausgeführt wurde.
Auf der Platine entdeckt
Irgendwann wurde das Gerät doch zur Gänze geöffnet (die Potiknöpfe von unten mit einem Stofftaschentuch umwickelt und vorsichtig abgezogen) und die Oberseite der Platine fotografiert (siehe die folgende Abbildung 1.2):

Abb. 1.2: Oberseite der Platine des Hughes & Kettner „AmpMan classic“
Die Platine wurde nach zu bestimmenden Bauelementen abgesucht – und zusätzliche Informationen (Datenblätter) im Netz gefunden:
- 3307:
-
Viele Doppel-Operationsverstärker MC33072 zur analogen Signalverarbeitung – deren spezielle Eigenschaft ist die Eignung für eine (asymmetrische) Betriebsspannung von beispielsweise 15 V.
- AS7315A:
-
Spannungsstabilisator 15 V – z. B. für die Operationsverstärker.
- LM2594:
-
„Step-Down-Converter“ – Wandelt die hohe Betriebsspannung von 24 V ohne größere Leistungsverluste in eine kleinere Spannung (z. B. 3,3 V oder 5 V für die Digitalschaltkreise?) um.
- Atmel MEGA328PB:
-
8-Bit Microcontroller – der übernimmt dann wohl die Steuervorgänge innerhalb des Gerätes
- Analog Devices ADAU1701:
-
Sigma-DSP 28-/56-Bit Signalprozessor – für die ach so analoge „Red Box“?
Spaß beiseite: Verwendet wird eine Lautsprechersimulation „Red Box AE+“ (Ambience Emulator Plus) – diese „Red Box“ arbeitet „digital“ (das heißt, zeit- und wertdiskret und mit Berechnungen des Signalverlaufs).
Vermutlich wird das Ausgangssignal im Signalprozessor mit der gewünschten Impulsantwort (des Lautsprechers und des Raumes) gefaltet. Das ist – zumindest mit der Nachbildung des Raumklanges – „authentischer“ und auch deutlich aufwendiger als eine analoge Filterung mit einer Hand voll Filtern aus Operationsverstärkern.
Im Übrigen ist die notwendige Latenz – wenn man sich auf eine Faltung beschränkt, den Signalverarbeitung eher klein – für die Nachbildung des Direktsignals (Nachbildung des Signalweges vom Gitarrenlautsprecher direkt ins Mikrofon) ist, abgesehen von AD- und DA-Wandler, keine Signalberechnung notwendig; lediglich die dazuaddierten Signale, die die Impulsantwort des Raumes nachbilden sollen, unterliegen natürlich der gleichen Verzögerung wie auch in der „analogen“ Vorlage.
Leider gibt das Datenblatt des Gerätes über die Latenzen am XLR-Ausgang keine Auskunft.
- TPA3128D2:
-
Ein „Class-D Amplifier 2 × 30 W into 8 Ω“ – die eigentliche Endstufe.
Vermutlich wurden beide Kanäle des Schaltkreises parallelgeschaltet (sogenannter PTBL-Modus). Dafür spricht, dass, wie im Datenblatt des Schaltkreises die Eingänge des zweiten Kanals auf Masse gelegt wurden.
- CMO53B:
-
Vier Schaltkreise mit der Kennzeichnung CMO53B und vom Typ CD4053B; Audioschalter 3 Ebenen, 2 Positionen – es müssen wohl die je sechs Potentiometer jedes Kanals (je drei einfache und drei Tandempotentiometer) auf den gekapselten und nur einmal vorhandenen Spirit TM -Schaltkreis umgeschaltet werden.
- Folienkondensatoren:
-
Ebenso kann man vermuten, dass die verschiedenen Folienkondensatoren – händisch aufgelötet – die verschiedenen klanglichen Voreinstellungen beider Kanäle prägen, ebenfalls über die CD4053B umgeschaltet werden.
- Der „Spirit Tone Generator“-Schaltkreis:
-
Die klangliche Raffinesse findet sich in einem verkapselten Modul mit 20 Anschlüssen („Spirit-Tone-Generator“),
Hier leuchtet jetzt (bei ausgeschaltetem Gerät) nichts mehr, hinter dem durchscheinenden Gehäuse wird eine eher normale doppelseitige Platine sichtbar, die – senkrecht stehend – über 20 Anschlusspins mit der Hauptplatine verlötet ist.
Dabei sind die Folienkondensatoren, wie sie sich auf der Hauptplatine befinden, für die „Plastebox“ mit dem „Spirit-Tone-Generator“ zu groß.
Insgesamt ist wohl davon auszugehen, dass der gesamte „Spirit Tone Generator“-Schaltkreis einmal vorhanden ist und sowohl die Regler der beiden Kanäle als auch die klangprägenden Kondensatoren beim Kanalwechsel umgeschaltet werden. Möglicherweise werden aber auch Teile des „Spirit Tone Generators“ beim Kanalwechsel aktiviert oder deaktiviert (z.B. zusätzliche Zerrstufen für den Kanal B).
Nach der Betrachtung des Innenlebens (des Gerätes), Zurücklehnen und Durchatmen musste sich der Autor aber von der Vorstellung verabschieden, hier nach bester Nachlötermanier irgendeine Schaltung oder irgendwelche Schaltungsdetails mit Fotos und eigenem Auge etc. auslesen zu können.
„Tjuning“, „Modschoh“ und ähnliche Träumereien haben sich für diesen Stand der Technik bzw. für diese Art von Klangwerkzeugen erledigt (auch wenn der Ersatz der linearen Kanalvolumenregler durch logarithmische sinnvoll wäre). Allein schon das Auslesen der gesamten Schaltung – Voraussetzung für sinnvolles Modifizieren – dürfte die meisten Bastler wie z.B. auch den Autor deutlich überfordern. Insofern bleiben nur Ausprobieren und vielleicht geduldiges Messen.
Abgesehen davon ist das Gerät sehr solide und den modernen Technologien folgend aufgebaut (SMD für Widerstände und Halbleiter, stabile Mehrlagenplatine, alle Bauelemente sind auf der Platine verlötet, die Fußtaster haben keine feste mechanische Verbindung mit der Platine).
Die Vorstufe
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]TL;DR bzw. Fazit im Voraus
Zur Untersuchung der Vorstufe des Vorverstärkers im Hughes & Kettner AmpMan classic die Zusammenfassung im Voraus:
- Sinn der Untersuchung
-
Mit manuellen Messungen und dem eingeschränkten Equipment des Autors sowie ohne Schaltplan kann man dem Gerät in seiner Komplexität kaum gerecht werden – für jeden Regler und Schalter des Vorverstärkers ( Tone, Resonance, Presence, Sagging und Boost) müssten etwa fünf Frequenzgangdiagramme händisch (idealerweise in Terzschritten) ausgemessen werden.
Hier findet der Leser nur Stichproben.
- Klangregelung
-
An diesem Punkt droht allerdings ein Missverständnis – die Klangregler des Gerätes dienen weniger als vom Verhalten des Vorverstärkers getrennte Klangfilter, sondern sollen die unterschiedlichen, in ein oder mehrere Parameter abstrahierten Klangcharaktere verschiedener (historischer) Verstärker (Klangfilter preboost und postboost im Preamp Gegenkopplung für Bässe und Höhen in der Endstufe, Endstufencliping) in einem oder mehreren Klangstellern (Tone, Resonance, Presence und Sagging) abzubilden.
Es kann sein, dass man bei diesem Verstärker etwas „umdenken“ und lernen bzw. verlernen muss, „mit dem Kopf zu hören“.
Aus dem Datenblatt
Die technische Betrachtung (bevor irgendetwas gemessen wird) beginnt nach dem Versuch eines Blockdiagramms (siehe weiter unten) zunächst mit den Daten, die der Hersteller in der Betriebsanleitung zur Verfügung stellt.

Abb. 1.3: (Vermuteter) Blockschaltplan eines Kanals der Vorstufe des Hughes & Kettner AmpMan. (Der Schalter für Boost wurde in der Darstellung nicht berücksichtigt.)
Um hier nicht die gesamte komplexe Datentabelle aus dem Datenblatt nachbasteln zu müssen, werden die relevanten Informationen bereichsweise in eine Liste übernommen und dort kommentiert:
- Input:
-
-
Klinkenbuchse 6,3 mm; unsymmetrisch; REing. = 1 MΩ
Sensitivity (Clean, alle Potentiometer in Mittelstellung, Master in Maximalstellung): −13 dBV bzw. 0,2 Vsin / 0,6 Vpp (Spitze-Spitze)
maximaler Level: 0 dBV bzw. 1 Vsin / 2,8 Vpp
Ein maximaler Pegel am Geräteeingang von 0 dBV weist darauf hin, dass der „AmpMan“ sich an dieser Stelle eben nicht wie ein „normaler“ Verstärker verhält. Es ist nicht möglich, den „AmpMan“ (beispielsweise mit einem Treble Booster) im Eingang „zu überfahren“ – vermutlich werden nicht erst die Zerrstufen im internen „Spirit Tone Generator“ übersteuert, sondern bereits ein Operationsverstärker in der Eingangsstufe des Gerätes.
-
- FX Send:
-
-
Klinkenbuchse 6,3 mm; unsymmetrisch; RAusg. = 220 Ω
Nominaler Level (Clean, alle Potentiometer in Mittelstellung, Tone-Regler auf Minimum): −6 dBV bzw.(0,5 Vsin / 1,4 Vpp)
maximaler Level: +10 dBV bzw.(≈ 3 Vsin / 9 Vpp)
Ein maximaler Pegel am Effektausgang von 10 dBV (das heißt, etwa 3 V Sinus bzw. etwa 9 V Spitze-Spitze) wäre für Bodeneffektgeräte (mit einer Betriebsspannung von 9 V) schon deutlich zu viel; hier sind wohl genauere Messungen sinnvoll.
-
- FX Return:
-
-
Klinkenbuchse 6,3 mm; unsymmetrisch; REing. = 20 kΩ
Sensitivity (Clean, alle Potentiometer in Mittelstellung, Master in Maximalstellung): −6 dBV bzw. 0,5 Vsin / 1,4 Vsin
maximaler Level: +9 dBV bzw. 2,8 Vsin / 8 Vsin)
Bei einem Mindestpegel von −6 dBV (Vollaussteuerung bei Master in Maximalstellung) bzw. könnte eine Maximalverstärkung der Endstufe von etwa dreißig ( Vollaussteuerung mit 25 W an 8 Ω, d. h. Vollaussteuerung bei 14 Veff) unter Umständen zu gering sein:
Bei der Untersuchung des Clean-Kanals bzw. Kanal A mit Sinus-Signalen unterschiedlicher Frequenz (siehe Tabelle 1.11) wurde am FX Send bei unverzerrter Wiedergabe ein Signalpegel von etwa 0,9 V Spitze-Spitze bzw. 0,32 V Sinus bzw. -10 dBV gemessen. Hier sollte die Verstärkung der Endstufe noch einmal nachgemessen werden.
-
Messungen an der Vorstufe
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- Grenzen der Messgenauigkeit •
- Frequenzgänge Vorstufe •
- Maximale Volumina für Cleansounds •
- Einstellschemata und Maximalpegel Overdrive •
- Volumenregler der Kanäle
Zunächst wurde die Vorstufe des „AmpMan classic“ untersucht. Das Gerät hat zwischen dem Eingang und dem FX Send zwei Kanäle mit identisch bezeichneten Reglern, die jeweils das klangliche Verhalten eines vollständigen Röhrenverstärkers (d. h. dessen Vor- und Endstufe) nachbilden sollen. Untersucht wurde jeweils nur die Nachbildung des „Preamp-Bereiches“ (des nachgebildeten Röhrenverstärkers)“ – das heißt, die Regler „Resonance“, „Presence“ und „Sagging“ waren auf null gedreht.
Im Folgenden geht es so lediglich um die Eigenschaften des Tone-Reglers und des Kanalvolumenreglers. Der Tone-Regler sorgt für die klangliche Prägung in der Vorstufe, während mit dem Kanalvolumenregler die unterschiedlichen Lautstärken der beiden Kanäle aneinander und an den Einschleifweg angepasst werden sollen (klingt banal, ist aber u.U. schwierig).
Grenzen der Messgenauigkeit
Zu den Messungen am Gerät ein offenes Wort vorweg: Das „Mess-Equipment, das dem Autor zur Verfügung stand (Windows-PC mit Vorverstärker bzw. Vorschaltgerät, Soundkarte und Oszilloskopensoftware), ist für professionelle Tests nicht vollständig geeignet – bei den gemessenen Spannungen muss mit Messfehlern im Bereich von 5 % bis 10 % gerechnet werden (was bei den gemessenen Leistungen auf Messfehler im Bereich von 10 % bis 20 % hinausläuft).
Frequenzgänge Vorstufe
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Begonnen wurde damit, die Frequenzgänge der Vorstufe in Abhängigkeit von der Einstellung des Tone-Reglers zu ermitteln.
Dazu wurden mehrere Frequenzgangdiagramme ausgemessen, das heißt, für eine Reihe von Frequenzen (von 49 Hz bis 6,4 kHz im Terzabstand; 22 Messungen) wurde die Verstärkung der Vorstufe des Gerätes (vom Instrumenteneingang bis zum FX Send) ermittelt. Dabei musste immer mit darauf geachtet werden, dass die Vorstufe nicht übersteuert und die verzerrten Ausgangssignale die Messungen verfälschen. Die Messungen wurden für jeden Kanal, für drei verschiedene Stellungen des Tone-Reglers (links, in der Mitte, rechts) und mit oder ohne aktivierten Boost durchgeführt.
Frequenzgang Kanal A
Begonnen wurde mit Kanal A, zuerst die gemessenen Frequenzgänge in Abb. 1.4; anschließend (zugeklappt) die Tabellen Tab. 1.2, Tab. 1.3 und Tab. 1.4 mit den Messwerten.

Abb. 1.4: Gemessene und berechnete Frequenzgänge der Vorstufe im Kanal A. Möglicherweise Messfehler (Graph „Tonregler Mitte; Boost“) bei 200 Hz, 400 Hz, 800 Hz und 3 kHz.
Messwerte zu den Diagrammen in Abb. 1.4 und Abb. 1.5.
| f [Hz] |
uE [mV] |
uStd. [mV] |
uBoost [mV] |
|---|---|---|---|
| 49 | 101 | 14 | 43 |
| 64 | 103 | 20 | 69 |
| 80 | 105 | 25 | 91 |
| 99 | 106 | 32 | 116 |
| 125 | 106 | 41 | 152 |
| 160 | 107 | 49 | 184 |
| 199 | 107 | 54 | 197 |
| 249 | 54 | 28 | 128 |
| 320 | 54 | 28 | 130 |
| 399 | 45 | 29 | 132 |
| 499 | 27 | 15 | 78 |
| 640 | 27 | 17 | 87 |
| 799 | 27 | 19 | 89 |
| 998 | 27 | 23 | 112 |
| 1250 | 22 | 22 | 107 |
| 1599 | 16 | 20 | 97 |
| 1998 | 16 | 23 | 107 |
| 2498 | 16 | 27 | 112 |
| 3198 | 22 | 40 | 129 |
| 3998 | 22 | 41 | 119 |
| 4998 | 22 | 39 | 103 |
| 6398 | 22 | 34 | 76 |
| f [Hz] |
uE [mV] |
uStd. [mV] |
uBoost [mV] |
|---|---|---|---|
| 49 | 102 | 14 | 44 |
| 64 | 104 | 21 | 70 |
| 80 | 105 | 27 | 95 |
| 99 | 106 | 23 | 122 |
| 125 | 106 | 44 | 162 |
| 160 | 53 | 28 | 117 |
| 199 | 32 | 19 | 86 |
| 249 | 32 | 20 | 94 |
| 320 | 32 | 21 | 101 |
| 399 | 32 | 22 | 106 |
| 499 | 32 | 23 | 114 |
| 640 | 27 | 21 | 107 |
| 799 | 27 | 23 | 119 |
| 998 | 16 | 16 | 85 |
| 1250 | 16 | 19 | 94 |
| 1599 | 16 | 22 | 107 |
| 1998 | 16 | 25 | 115 |
| 2498 | 16 | 28 | 117 |
| 3198 | 16 | 31 | 113 |
| 3998 | 16 | 32 | 102 |
| 4998 | 16 | 30 | 85 |
| 6398 | 16 | 26 | 60 |
| f [Hz] |
uE [mV] |
uStd. [mV] |
uBoost [mV] |
|---|---|---|---|
| 49 | 102 | 12 | 39 |
| 64 | 104 | 18 | 62 |
| 80 | 105 | 23 | 82 |
| 99 | 106 | 28 | 105 |
| 125 | 106 | 35 | 135 |
| 160 | 54 | 21 | 90 |
| 199 | 54 | 22 | 99 |
| 249 | 54 | 20 | 94 |
| 320 | 54 | 17 | 81 |
| 399 | 54 | 14 | 66 |
| 499 | 27 | 5,2 | 27 |
| 530 | 26,8 | 4,6 | 24,3 |
| 565 | 26,8 | 4,3 | 22,4 |
| 601 | 26,8 | 4,0 | 21 |
| 640 | 26,8 | 3,9 | 20 |
| 676 | 26,8 | 3,8 | 20 |
| 715 | 26,8 | 4,0 | 21 |
| 757 | 26,8 | 4,3 | 22,4 |
| 799 | 16 | 2,9 | 16 |
| 998 | 16 | 4,7 | 25 |
| 1250 | 16 | 7,3 | 38 |
| 1599 | 16 | 11 | 54 |
| 1998 | 16 | 14 | 68 |
| 2498 | 16 | 18 | 77 |
| 3198 | 16 | 21 | 81 |
| 3998 | 16 | 22 | 76 |
| 4998 | 16 | 22 | 65 |
| 6398 | 16 | 19 | 46 |
Dazu ein paar Anmerkungen: Kanal A hat einen ansteigenden Frequenzgang, eine demgegenüber eher dezente Bassabsenkung (20 dB pro Dekade ab etwa 200 Hz) sowie eine leichte Höhenabsenkung ab 3 kHz bis 4 kHz (ebenfalls 20 dB pro Dekade). Beides lässt den Kanal eher für geringere Verzerrungen geeignet erscheinen.
- Tone-Regler nach rechts:
-
Mit der Einstellung des Tone-Regler nach rechts kommt eine deutliche Mittenabsenkung (bis zu 13 dB, bei 700 Hz)dazu. Die Absenkung ist breit – kein Notchfilter – und mit Anstiegen etwas größer 20 dB pro Dekade. Es kann sein, dass hier das charakteristische klangliche Verhalten eines Tone-Stacks (passive Klangreglerschaltung in Gitarrenverstärkern) insbesondere von Fender-Verstärkern der „Blackface“-Ära nachgebildet werden soll.
- Tone-Regler mittig oder nach links
-
Beide Frequenzgänge sind ähnlich, das Mittenloch fällt fast weg. Es kann aber sein, dass sich lineare Klangformungen vor und hinter einer Zerrstufe (beispielsweise Mittenanhebungen vor und Mittenabsenkungen hinter der Zerrstufe) aufheben, und man das bei der unverzerrten Messung gar nicht messen kann.
Abgesehen davon wurden auch nur drei Positionen des Tone-Reglers untersucht.
- Der Boost
-
Der Boost ist fast frequenzlinear und mit einer Anhebung von etwa 12 dB bis 14 dB relativ hoch (mehr als doppelt so laut).
Das Diagramm in der folgenden Abb. 1.5 zeigt nun die aus Abb. 1.4 herausgerechnete Auswirkung des Boost-Modus' auf den Frequenzgang. Neben den zum Teil deutlichen Messfehlern (insbesondere bei 200 Hz) ist erkennbar, dass der Boost recht hoch ist (etwa 12 dB) und in seinem Frequenzgang von der Einstellung des Tone-Reglers unabhängig ist. Weiterhin ist er fast Frequenzlinear.

Abb. 1.5: Gemessene Frequenzgänge des Boost in der Vorstufe im Kanal A. Hier deutlich der Messfehler bei 200 Hz (Graph „Tonregler Mitte“)
Frequenzgang Kanal B
Die gleichen Messungen wurden auch an Kanal B (dem eigentlichen Zerrkanal) durchgeführt. Hier war es etwas schwieriger, „unverzerrt zu messen“ bzw. es gibt auch deutlichere Messfehler.
Auch hier zuerst die gemessenen Frequenzgänge in Abb. 1.6; anschließend (zugeklappt) die Tabellen Tab. 1.5, Tab. 1.6 und Tab. 1.7 mit den Messwerten.

Abb. 1.6: Gemessene Frequenzgänge der Vorstufe im Kanal B.
Messwerte zu den Diagrammen in Abb. 1.6 und Abb. 1.7.
| f [Hz] |
uE [mV] |
uStd. [mV] |
uBoost [mV] |
|---|---|---|---|
| 49 | 102 | 10 | 59 |
| 64 | 103 | 18 | 129 |
| 80 | 26 | 7,1 | 70 |
| 99 | 26 | 11 | 125 |
| 125 | 27 | 18 | 214 |
| 160 | 27 | 23 | 260 |
| 199 | 11 | 9,3 | 129 |
| 318 | 5,4 | 5 | 70 |
| 399 | 5,4 | 5,5 | 77 |
| 499 | 5,5 | 6,3 | 85 |
| 640 | 5,4 | 7,6 | 100 |
| 799 | 5,4 | 9,2 | 118 |
| 998 | 5,4 | 11 | 138 |
| 1250 | 5,4 | 13 | 156 |
| 1599 | 5,4 | 15 | 172 |
| 1998 | 5,6 | 16 | 175 |
| 2498 | 5,4 | 17 | 164 |
| 3198 | 5,5 | 18 | 148 |
| 3998 | 5,5 | 17 | 126 |
| 4998 | 5,5 | 16 | 101 |
| 6398 | 5,4 | 14 | 70 |
| f [Hz] |
uE [mV] |
uStd. [mV] |
uBoost [mV] |
|---|---|---|---|
| 49 | 102 | 11 | 65 |
| 64 | 52 | 10 | 77 |
| 80 | 26 | 7,7 | 76 |
| 99 | 26 | 13 | 139 |
| 125 | 26 | 21 | 237 |
| 160 | 27 | 26 | 290 |
| 199 | 11 | 11 | 149 |
| 249 | 11 | 11 | 150 |
| 320 | 5,4 | 6,1 | 86 |
| 399 | 5,4 | 7,8 | 93 |
| 499 | 5,4 | 8,7 | 103 |
| 640 | 5,4 | 9,1 | 118 |
| 799 | 5,4 | 11 | 134 |
| 998 | 5,4 | 12 | 152 |
| 1250 | 5,4 | 14 | 166 |
| 1599 | 5,4 | 16 | 178 |
| 1998 | 5,4 | 17 | 177 |
| 2498 | 5,4 | 18 | 168 |
| 3198 | 5,4 | 18 | 150 |
| 3998 | 5,3 | 17 | 127 |
| 4998 | 11 | 32 | 176 |
| 6398 | 11 | 28 | 129 |
| f [Hz] |
uE [mV] |
uStd. [mV] |
uBoost [mV] |
|---|---|---|---|
| 49 | 101 | 10 | 61 |
| 64 | 52 | 9 | 72 |
| 80 | 52 | 14 | 133 |
| 99 | 26 | 12 | 129 |
| 125 | 27 | 18 | 215 |
| 160 | 27 | 21 | 247 |
| 199 | 11 | 8,1 | 113 |
| 249 | 11 | 7,2 | 97 |
| 320 | 5,4 | 3,1 | 43 |
| 399 | 5,4 | 2,8 | 37 |
| 499 | 5,4 | 2,7 | 35 |
| 640 | 5,4 | 3,4 | 44 |
| 799 | 5,4 | 4,6 | 60 |
| 998 | 5,4 | 6,3 | 81 |
| 1250 | 5,4 | 8,2 | 102 |
| 1599 | 5,4 | 10 | 118 |
| 1998 | 5,4 | 12 | 126 |
| 2498 | 5,4 | 13 | 125 |
| 3198 | 5,4 | 13 | 114 |
| 3998 | 5,4 | 13 | 98 |
| 4998 | 5,4 | 12 | 77 |
| 6398 | 5,4 | 11 | 53 |
Auch hier wieder Anmerkungen, auch im Vergleich der beiden Kanäle. Die Frequenzgänge ähneln erkennbar denen des Kanals A – wenig Unterschiede zwischen den Einstellungen des Tone-Reglers auf „links“ und „Mitte", ein Mittenloch für die Tone-Regler-Einstellung „rechts", die Frequenzgänge mit aktiviertem und nicht aktiviertem Boost sind ähnlich.
Allerdings erkennt man auch eine deutlichere Bassabsenkung (40 dB pro Dekade ab etwa 120 Hz) sowie eine stärkere Höhenabsenkung ab 2 kHz bis 3 kHz – und dazu, für die Einstellung des Tone-Reglers sowie eine weitere Höhenblende ab etwa 6 kHz.
- Tone-Regler nach rechts:
-
Im Unterschied zum Kanal A ist das Mittenloch aber flacher (etwa 6 dB tief) und liegt eher bei 400 bis 500 Hz. Weiterhin ist die Bassabsenkung steiler (40 dB pro Dekade bzw. 60 dB pro Dekade bei aktiviertem Boost), wenn auch die Basssperre „tiefer sitzt“ (etwa ab 150 Hz). Auch ist die Höhenabsenkung ab 4 kHz steiler (sie beginnt schon bei etwa 2 kHz).
All das macht den Kanal für verzerrte Sounds besser geeignet.
- Tone-Regler mittig oder nach links
-
Beide Frequenzgänge sind ähnlich, es gilt das zum Kanal A gesagte.
- Der Boost
-
Der Frequenzgang des Boost (siehe die folgende Abb. 1.7) zeigt erst einmal einen deutlichen Messfehler zwischen 100 Hz und 200 Hz und ansonsten drei fast übereinanderliegende Kurven (Boost ist unabhängig von der Einstellung des Tone-Reglers). Ansonsten hat der Boost eine etwas stärkere Orientierung auf die Mitten (Bassabsenkung 20 dB pro Dekade ab etwa 150 Hz, Höhenblende ab etwa 2 kHz).

Abb. 1.7: Gemessene Frequenzgänge der Vorstufe im Kanal B – deutliche Messfehler insbesondere bei 100 Hz und 200 Hz (Oberwellen der Netzeinstreuungen?).
Zwischenstand
Ein paar grundsätzliche Tendenzen ließen sich erkennen bzw. aus Werbung und öffentlichen Kundenbeschwerden nachvollziehen:
-
Die Einstellung „Tone-Regler nach rechts“ steht für einen „amerikanischen“ Sound.
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Kanal A ist für „Clean“; Kanal B für „Brett“.
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Der Boost ist zu hoch.
-
Insbesondere bei den verzerrten Sounds könnten wirklich zu viele Bässe im Spiel sein.
Ansonsten: Die Vorstellung, über die manuelle Messung von ein paar Frequenzgängen die Charakteristik eines so auf Vielseitigkeit angelegten Vorverstärkers zu erfassen, hat sich nicht erfüllt. Dazu wäre ein erheblich größerer Aufwand nötig (z. B. Messungen 7 Einstellungen des Tone-Reglers mal 7 Einstellungen des Gain-Reglers macht mindestens 49 Frequenzgangdiagramme – was mit manuellen Messungen nicht zu leisten ist). Weiterhin kann man ja (ohne Kenntnis der Schaltung) nicht in das Gerät „hineinmessen“, um Klangfilterungen vor und hinter der oder den Klippstufen zu erfassen.
Dazu käme dann noch die Untersuchung der nachgebildeten Endstufe (Regler Resonance, Presence und Sagging) …
Im Folgenden soll es also lediglich darum gehen, ein (dem Eindruck des Autors nach) öfter angesprochenes Problem zu untersuchen – die Schwierigkeit, beide Kanäle bei unterschiedlicher Einstellung lautstärkemäßig aneinander anzupassen.
Begonnen wird mit der Messung von typischen und maximalen Pegeln am FX Send für unverzerrte und verzerrte Sounds:
Maximale Volumina für Cleansounds
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Zusammenfassung vorweg
Der Kanal A kann clean gefahren werden, beim Kanal B (deutlich mehr Gain) ist das eher schwierig. (Es geht um Messungen „im Labor“; mit Sinussignalen kleiner und fester Spannung sollen keine Verzerrungen sichtbar sein). Die erreichbaren Pegel (beim Messung mit einem Sinussignal am Instrumenten-Eingang) sind relativ klein (etwa 0,3 Vsin – Effektivwert Sinus).
Bei Aussteuerung / Verzerrung haben beide Kanäle deutlich höhere Pegel – bis zu 6 Vpp (Spitze-Spitze).
Diese unterschiedlichen Pegel (clean, vorwiegend Kanal A und verzerrt) müssen aneinander und an die Aussteuerungsgrenzen angeschlossener Effektgeräte wie auch der Endstufe des Gerätes angepasst werden.
Messungen
Zuerst wurde die maximale verzerrungsfreie Aussteuerung – zunächst des Kanals A („Clean“-Kanal) dann des Kanals B („Drive“-Kanal) ermittelt. Für Kanal B war das eher schwierig bzw. der Eingangssignalpegel möglicherweise zu hoch (siehe die folgende Datentabelle 1.8):
Die Signale, deren Pegel gemessen worden waren, wurden auch noch im Software-Oszilloskop als Signalformen aufgenommen; die Oszillogramme sind in der nachfolgenden Bildertabelle Bildertabelle 1.1 zusammengefasst.
| Frequenz | Pegel Kanal A | Pegel Kanal B | ||
|---|---|---|---|---|
| (Vpp) | (Veff) | (Vpp) | (Veff) | |
| 105 Hz | ≈0,8 V | ≈0,29 V | ≈0,8 V | ≈0,26 V |
| 440 Hz | ≈0,9 V | ≈0,34 V | unverzerrtes Signal nicht möglich | |
| 1000 Hz | ≈0,8 V | ≈0,32 V | unverzerrtes Signal nicht möglich | |
| 4,4 kHz | ≈0,8 V | ≈0,29 V | ≈0,8 V | ≈0,29 V |
Bildertabelle 1.1: Untersuchungen Maximalpegel unverzerrtes Signal
Einstellschemata und Maximalpegel Overdrive
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- Einstellungsbeispiel „Brian Adams“ •
- Einstellungsbeispiel „ZZ-Top“ •
- Einstellungsbeispiel „Tom Petty“ •
- Zusammenfassung Einstellungsbeispiele
Um die Einschätzung der Maximalpegel etwas vorhersehen zu können, wurden drei verschiedene Einstellungsvorschläge von Hughes & Kettner
-
Do it like Bryan Adams — It´s only love … youtu.be/CxqMFKAO-0M
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Wanna sound like ZZ-top with a pedal amp? Looking for some tush? youtu.be/zOQWWedNVFc
-
Tom Petty Style Guitar Sound / RIFF & SETTING for the AmpMan classic youtu.be/j9g6UkrIphw
aus dem Netz ermittelt und hier ausprobiert. Die Volumenregler der Kanäle wurden dabei auch, entgegen der Vorgabe, auf 100 % gestellt, da die Charakteristik des Volumenreglers nicht vollständig bekannt war. (Im Datenblatt wird gelegentlich Messungen mit einer mittigen Einstellung des Volumenreglers gesprochen, dass sollte hier genauer gemessen werden.)
Zunächst in der folgenden Tabelle 1.9 die vorgeschlagenen Einstellungen, ausgelesen aus den entsprechenden Videos:
| Param. | „Adams“ |
„ZZ-Top“ |
„Petty“ |
|---|---|---|---|
| Kanal | B | B | A |
| Boost | nein | nein | ja |
| Gain | 4,5 (halb zwölf) | 4 (elf Uhr) | 5 (zwölf Uhr) |
| Tone | Mitte | 4 (elf Uhr) | 5,5 (halb eins) |
| Res. | 8 (drei Uhr) | voll | 9 (vier Uhr) |
| Pres. | 9,5 (halb fünf) | voll | 6,5 (halb zwei) |
| Sagg. | 4 (elf Uhr) | Mitte | Mitte |
| Vol. | 9 (vier Uhr) | 8 (drei Uhr) | voll |
| PU | Singlecoil | HB | P90 |
Einstellungsbeispiel „Brian Adams“
Begonnen wird mit dem Einstellvorschlag „Brian Adams“ – gemessene Pegel und Oszillogramme bei den Frequenzen 105 Hz, 440 Hz, 1 kHz und 4,4 kHz bei eingangsseitig „etwa normaler“ und hochpegeliger Ansteuerung (−13 dB wie im Datenblatt und −3 dB):
| f | uE | UA,pp | UA,eff |
|---|---|---|---|
| 105 Hz | -13 dBV | 2,8 V | 1,0 V |
| -3 dBV | 2,7 V | 1,0 V | |
| 440 Hz | -13 dBV | 4,4 V | 0,8 V |
| -3 dBV | 5,3 V | 0,9 V | |
| 1 kHz | -13 dBV | 4,8 V | 1,0 V |
| -3 dBV | 5,2 V | 1,0 V | |
| 4,4 kHz | -13 dBV | 5,3 V | 1,8 V |
| -3 dBV | 5,3 V | 1,8 V |
Es zeigt sich ein Ausgangssignalpegel der Vorstufe von etwas mehr als 5 Vpp und, für das Eingangssignal bei mittleren Frequenzen, eine starke Betonung der Obertöne (Spitzen in den Oszillogrammen), wobei letztere mit der Einstellung des Presence-Reglers auf 9,5 korrespondieren.
Bildertabelle 1.2: Ausgangspegelmessung mit Einstellschema „Brian Adams“ (Kanal B, kein Boost, Gain 4,5, Tone Mitte, Resonance 8, Presence 9,5, Sagging 4); Volume auf 10 und nicht auf 9
Einstellungsbeispiel „ZZ-Top“
Die Ergebnisse für das Einstellungsbeispiel „ZZ-Top“ sind ähnlich – ein etwas größerer maximaler Ausgangssignalpegel der Vorstufe von etwa mehr als 6 Vpp (die auch mit Kanalvolumenregler etwas stärker zurückgeregelt werden soll) und eine ähnliche Höhenanhebung für die mittleren Frequenzen.
| f | uE | UA,pp | UA,eff |
|---|---|---|---|
| 105 Hz | -13 dBV | 5,0 V | 1,8 V |
| -3 dBV | 4,8 V | 1,7 V | |
| 440 Hz | -13 dBV | 4,3 V | 0,8 V |
| -3 dBV | 5,4 V | 0,9 V | |
| 1 kHz | -13 dBV | 5,0 V | 1,0 V |
| -3 dBV | 5,0 V | 1,0 V | |
| 4,4 kHz | -13 dBV | 6,4 V | 2,1 V |
| -3 dBV | 6,4 V | 2,1 V |
Bildertabelle 1.3: Ausgangspegelmessung mit Einstellschema „ZZ-Top“ (Kanal B, kein Boost, Gain 4, Tone 4, Resonance voll, Presence voll, Sagging Mitte); Volume auf 10 und nicht auf 8
Einstellungsbeispiel „Tom Petty“
Bei den Ergebnissen für das letzte Einstellungsbeispiel „Tom Petty“ fallen die leicht geringeren Pegel und die kleineren „Höhenspitzen“ für die Eingangssignale bei mittleren Frequenzen auf – letztere stehen vielleicht im Zusammenhang mit einem maßvoller eingestellten Presence-Regler. (Möglicherweise „braucht“ eine Rickenbacker-Gitarre eine so starke Höhenanhebung von sich aus auch nicht.)
| f | uE | UA,pp | UA,eff |
|---|---|---|---|
| 105 Hz | -13 dBV | 4,5 V | 1,6 V |
| -3 dBV | 4,5 V | 1,6 V | |
| 440 Hz | -13 dBV | 2,7 V | 0,9 V |
| -3 dBV | 3,4 V | 0,9 V | |
| 1 kHz | -13 dBV | 5,0 V | 0,9 V |
| -3 dBV | 5,3 V | 0,9 V | |
| 4,4 kHz | -13 dBV | 3,5 V | 1,0 V |
| -3 dBV | 3,5 V | 1,1 V |
Bildertabelle 1.4: Ausgangspegelmessung mit Einstellschema „Tom Petty“ (Kanal A, Boost, Gain 5, Tone 5,5, Resonance 9, Presence 6,5, Sagging Mitte, Volume 10)
Zusammenfassung Einstellungsbeispiele
Für die Betrachtung der Ausgangssignalpegel der Vorstufe kann gesagt werden:
- „Laute“ Zerrsounds:
-
Die maximalen Ausgangssignalpegel der Vorstufe bei verzerrtem Signal sind recht hoch – es ist mit Pegelspitzen von etwa 4 Vpp bis 6 Vpp zu rechnen.
- „Laute“ Einstellungen:
-
In den Einstellvorschlägen werden diese „lauten“ Zerrsounds kaum oder gar nicht (Einstellvorschlag „Tom Petty) heruntergeregelt – mit einem solchen Pegel könnte man zumindest ein mit 9 V betriebenes Effektgerät übersteuern.
- „Leise“ Cleansounds:
-
Die maximalen Ausgangssignalpegel der Vorstufe bei unverzerrtem Signal dagegen sind eher klein – soll ein cleaner Kanal A mit einem deutlich verzerrendem Kanal B kombiniert werden, muss über die Kanalvolumenregler stark ausgeglichen werden.
Volumenregler der Kanäle
Das führt zu der Frage, ob die Kanalvolumenregler des Gerätes dafür geeignet sind, so unterschiedliche Ausgangspegel der beiden Kanäle auszugleichen. Um das zu untersuchen, wurde eine die Pegeldämpfung beider Kanalvolumenregler für fünf verschiedene Einstellungen grob gemessen (da die Regler keine Skala haben, ist auch nur eine Messung „nach Himmelsrichtungen“ möglich – Zeiger nach links bzw. 20 %, oben bzw. 50 %, rechts bzw. 80 % sowie auf null und 100 %).
Die folgende Tabelle 1.13 listet die gemessenen Dämpfungen absolut und in Dezibel auf.
| Poti auf |
Pegel und Dämpfung Kanal A |
Pegel und Dämpfung Kanal B |
||
|---|---|---|---|---|
| 100 % | 292 mV | – | 55 mV | – |
| 80 % | 192 mV | -3,6 dB | 38 mV | -3,2 dB |
| 50 % | 128 mV | -7,2 dB | 25 mV | -6,8 dB |
| 20 % | 73 mV | -12 dB | 11,3 mV | -13,7 dB |
| 0 % | 1 mV | -49,3 dB | 2,6 mV | -26,5 dB |
Das Diagramm in Abb. 1.8 zeigt, dass es sich hier wohl um lineare Potentiometer handelt:

Abb. 1.8: Grob (mit vier Messpunkten) gemessene Charakteristik der Volumenregler der einzelnen Kanäle – der Funktionsgraph (Linie) wurde von EXCEL erzeugt.
Die Kontrolle des Innenlebens des „AmpMan bestätigte es – hier wurden tatsächlich lineare Potentiometer für die Kanalvolumenregler verwendet (siehe Tabelle 1.1).
Die Untersuchungen der Aussteuerungsgrenzen beider Kanäle bei cleanem und verzerrtem Betrieb haben gezeigt, dass der interne Verstärker sehr dynamisch reagiert – im cleanen Betrieb ist sein Ausgangspegel wesentlich kleiner als im verzerrten Betrieb.
Die Volumenregler der beiden Kanäle hätten nun die Aufgabe, diese Pegelunterschiede soweit auszugleichen, dass sie nicht zu allzu starken Lautstärkeunterschieden führen, und dafür sind die linearen Potentiometer schlichtweg nicht geeignet.
Die folgende Abbildung Abb. 1.9 sollte die entsprechenden Zusammenhänge noch einmal deutlicher machen – hier wird die y-Achse mit der erzielten Lautstärkeänderung nicht (wie in Abbildung Abb. 1.8) linear, sondern logarithmisch (in Dezibel) skaliert. Es zeigt sich, dass sich die wesentlichen Lautstärkeänderungen auf den Bereich der ersten dreißig Prozent des Regelbereiches konzentrieren. Das ist vor allem dann problematisch, wenn große Lautstärkeunterschiede zwischen den beiden Kanälen genau ausgeglichen werden müssen.
Weiterhin zeigt enthält das Diagramm im Hintergrund die Kurven eines idealen logarithmischen (Dämpfung bei Mittelstellung auf 15 %) und eines idealen linearen Potentiometers.

Abb. 1.9: Grob (mit vier Messpunkten) gemessene Charakteristik der Volumenregler der einzelnen Kanäle in logarithmischer Skalierung – und die Charakteristik eines idealen linearen und logarithmischen Potentiometers. (Die im Text angesprochenen Dämpfungen von 6 dB und 20 dB sind im Diagramm hervorgehoben.)
Dazu ein Beispiel – Ein vollständig cleaner Kanal A (Ausgangsspannungshub etwa 0,9 V Spitze-Spitze – siehe Tabelle 1.8) und ein voll verzerrter Kanal B (Ausgangsspannungshub etwa 4,5 V Spitze-Spitze – siehe Tabelle 1.10, Tabelle 1.11 und Tabelle 1.12) sollen lautstärkemäßig aneinander angepasst werden, wobei beide Kanäle noch ein wenig „Spiel“ haben sollten:
-
Der cleane Kanal A wird um etwa 6 dB gedämpft (etwa halber Pegel bzw. auf 0,45 Vpp) und der verzerrte demgegenüber noch auf ein Fünftel (oder 14 dB, das heißt, insgesamt auf ein Zehntel bzw. um 20 dB bzw. ebenfalls auf 0,45 Vpp).
-
Bei den vorhandenen linearen Potentiometern würde man das für Kanal A auf etwa 50 % bzw. zwölf Uhr einstellen und das für Kanal B auf etwa 10 % bzw. etwa „um acht“, was unter Umständen auf ein ziemliches Gefummel hinausläuft, wenn man die Lautstärken genau anpassen will.
-
Mit üblichen logarithmischen Potentiometern stände das für Kanal A auf etwa 70 % bzw. zwei Uhr und das für Kanal B auf etwa ein Drittel bzw. „halb elf“.
-
Selbst wenn man den cleanen Kanal nicht dämpft (Potentiometer auf 100 % bzw. auf fünf Uhr), müsste man ein lineares Potentiometer für den lauteren verzerrten Kanal B auf 20 % bzw. „um acht“ einstellen (Dämpfung 12 dB) – ein logarithmisches Potentiometer auf gut 50 % bzw. „kurz nach zwölf“
Das Teaser-Bild zum Artikel, das diese Zusammenhänge am linearen Potentiometer zeigt, wird hier in Abbildung 1.10 noch einmal aufgegriffen – es zeigt die Einstellung verschiedener Dämpfungen bei einem linearen und bei einem logarithmischen Potentiometer:

Abbildung 1.10: Ungefähre Einstellungen für eine Dämpfung von 6 dB, 12 dB … 30 dB bei einem linearem und einem logarithmischen Potentiometer.
Der Lapsus, hier lineare Potentiometer zu verwenden, bzw. die daraus folgende unübersichtliche Einstellerei könnte bei anderen Anwendern mit zu dem Eindruck geführt haben, dass sich der Lautstärkeunterschied zwischen den Kanälen nicht ausgleichen lässt.



























































