Übersetzte Fachartikel zur Pseudo-Trioden-Verzerrung von Viktor Kempf, AMT-Electronics

Aktuellerer Nachtrag – p-Kanal-JFETs und die LA2-Serie

Zu den beiden über­setzten Artikeln von Виктор Кемпф (Viktor Kempf, AMT-Electronics, https://amtelectronics.com) ist in­zwischen noch eine kleine Ergänzung not­wendig ge­worden: 

Nun, die beiden übersetzten über­setzten Artikel sind zwar interessant und wichtig, aber doch schon ein wenig äl­ter.  Der Voll­ständig­keit halber soll auf einen neue­ren Lösungs­ansatz von AMT-Electronics hin­ge­wiesen werden, die in ver­schiedenen heraus­gezeichneten Schalt­plänen bei den „üb­lichen Ver­däch­ti­gen“ (z. B. free­stomp­boxes.org) zu sehen waren.  Die folgende Abbildung 1 soll das Prinzip deut­lich machen.  Das Schaltungs­detail wurde einem Schaltplan des Preamps AMT LA2 S2 entnommen – alle für die Er­klärung un­wichtigen Be­stand­teile wurden weg­ge­lassen: 

Schaltplan

Abb. 1:  Prinzip der eingangs­seitigen Signal­be­grenzung vor JFET-Stufen in den Röhren­ver­stärker­emulationen der Serie LA2 von AMT-Electronics mittels p-Kanal-JFET.  (Die parallel­geschalteten Konden­satoren wurden weggelassen.)

Die eingangs­seitige Signal­begrenzung wird nicht nur über die obere Flanke des Eingangs­signals ausgelöst, sondern auch über die untere Flanke des Signals am Aus­gang der Stufe.  Zwischen dem Gate des ver­stärkenden JFET J1 und Masse liegt die Drain-Source-Strecke eines p-Kanal-JFET J2, dessen Gate mit dem Aus­gang der Stufe, d. h. mit dem Drain von J1 ver­bunden ist.  Dieser JFET J2 schaltet durch, wenn die Differenz­spannung zwischen Drain und Gate des ver­stär­kenden JFET J1 einen be­stimmten Wert (die Ab­schnür­spannung des p-Kanal-JFET J2) unter­schreitet. 

Die Signal­begrenzung ist abgeschlossen, wenn Aus­gangs­spannung der Stufe und Gate-Source-Spannung von J2 einen Wert er­reichen, bei dem der zu­gehörige Kanal­strom von J2 gleich dem maximalen Strom ist, der von der Betriebs­spannung über RD,0, RG,1 und J2 gegen Masse ab­fließen könnte. 

Warum tut man so etwas?  Nun, ins­besondere im ersten über­setzen Artikel war ja deut­lich geworen, dass eines der Probleme der Emulation von Röhren­verstärkern und deren Über­steuerungs­verhalten im „Spannungs­maß­stab“ zu finden ist – während bei einem Röhren­verstärker mit Betriebs­spannung 300 V das Signal am Gitter bei etwa 1 … 2 V und mit einem „Kenn­linien­knick“ oder „Knie“ von einigen ein­hundert Milli­volt begrenzt wird (was dann auf etwa 100 V und ein „Knie“ von etwa 20 V hoch­verstärkt wird), muss für die Emulation in einer Schaltung mit Betriebs­spannung 9 V „alles dreißig­mal kleiner sein“.  Nur ist es schwierig, Bau­elemente zu finden, die bei einer so kleinen Spannung (und mit so kleinem „Knie“) durch­lässig werden und dazu bei kleineren Spannungen noch aus­reichend hoch­ohmig sind.

Dieses Problem kann man eben dadurch umgehen, dass der Ein­satz der Begrenzung vom Aus­gang der Ver­stär­ker­stufe, d. h. nach der Ver­stärkung, ausgelöst wird.